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Transcribe Page - Lina Hansen to Marie Hansen Taylor, April 14, 1860

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mich tief ergriff. Wir waren zu Leopold's zu Mittag gebeten mit Buf= lebs u. da es schon ein trauriges Zusammentreffen mit Adolph's Confirmations= u. seines Großvaters u. Pathen Sterbetag war, so beschloß ich der Tante Auguste erst gegen Abend die traurige Nachricht mitzutheilen, gleich darauf aber kam der Onkel Bufleb u. bat mich sie bei Brauns zu entschuldigen u. so erfuhr ich denn daß die Tante Auguste Deinen Brief soeben auch erhalten u. all die traurigen Nachrich= ten die er enthielt ganz unvorbereitet über sie gekommen waren. Bufleb selbst war tief bewegt, ich ging gleich zur Tante u. fand sie natürlich vom tiefsten Schmerz ergriffen, sie weinte unaufhaltsam u. das gewährt bei solchen [sic] Schmerz immer etwas Erleichterung, trösten konnte ich ja nicht, das kann allein Gott, aber durch meine innige Theilnahme konnte ich doch vielleicht ihren [sic] wehen Herz wohlthuen. Ich bin heute Morgen wieder bei ihr gewesen u. fand sie gefasst, sie lässt Dich grüßen u. sagen, daß sie tief bedauerte, daß durch Emma solche Sorge u. Leid über Euch gekommen. Die Reise werden sie auf jeden Fall antreten, sie finden eine Be= ruhigung darin zu Euch zu kommen, es mag mit Emma so oder so kommen u. ich finde auch, daß sie dabei recht haben, aber die Reise, auf die sie sich so sehr gefreut haben, wird eine recht schwere für sie werden u. das thut mir unendlich leid. Es hat sich in dieser Zeit viel trauriges um uns zugetragen u. auch Sorge, mehr wie ge= wöhnlich sich auf mein Herz gelegt, durch die meine schwache Gesundheit sich natürlich nicht heben kann, die im Frühjahr ohnehin immer am schwächsten ist. In der Osterwoche bekam ich einen Brief von Frl. v. Müller aus Rom der meine Sorge um die arme Tante noch vergrößerte. Für den Augenblick waren zwar die Operationen eingestellt, damit sie etwas Kraft sammelte, aber nach 14 Tagen, also wohl jetzt, musste noch eine schmerzhafte Verhärtung aus der Brust genommen wer= den u. dann erst könnte es sich entscheiden, ob sie von Rom weg, aufs Land, oder vielleicht noch in ein Bad, gehen könnten. Aus den [sic] ganzen Brief konnte ich wohl schließen, daß der armen Anna noch recht Schweres bevorsteht. Sie ließ den Vater bitten sich von Gerhardt in Berlin des Onkels Vorlesungen geben zu lassen u. ihr zuzuschicken, da ein neuer englischer Consul in Rom, [roman:] Mr. Newton [/roman], ihr die Hoffnung gemacht hat= te, daß ein Amerikanischer oder Englischer Buchhändler sich wohl finden würde um auf eigne Kosten den Druck u. Verlag von des Onkels nachgelassenen Manuscripten zu unternehmen über welche sie sehr glücklich ist um so mehr, da ihr von Gerhardt die Nachricht zugegangen war, daß Usedom die Herausgabe einer Biographie vom Onkel ganz aufgegeben u. ihm selbst diese durch den Verlust seiner Augen ganz unmöglich würde, auch sagt er, daß es an hinreichenden [sic] Stoff dazu mangele. Sie hat mir seinen Brief mitgeschickt. Ich erkundigte mich nun bei Leopold u. den [sic] Onkel Braun näher nach der Sache u. hörte von diesen die Meinung, daß eine Biogra= phie gar nicht zu schreiben wäre, wegen des traurigen Ende, welches des Onkels Le= ben genommen habe u. daß von seinem schriftlichen Nachlaß welchen Leopold durch Henzen erhalten habe, sich nichts zum Druck eigne. Wie schmerzlich mir das ist, wirst Du Dir wohl denken können es wurde eine Wunde meines Herzens von neuen [sic] auf= gerissen. Leopold meint daß der eigentliche Werth seines schriftlichen Nachlasses in den Briefen stecken müsse, in Emils Briefwechsel zwischen Lassberg, Schelling u. andern Gelehrten, die er aber nicht erhalten u. es war unverkennbar, daß er sehr gereizt darüber war, daß die Tante diese zurückbehalten, da er nach römischen [sic] Recht den alleinigen Anspruch darauf hat. Ich erfuhr, daß er die Vorlesungen in den Händen hat, daß Lorenzen aber gesagt, sie wären schon gedruckt u. ein Theil eigentlich durch=

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aus nicht zum Druck u. Leopold wollte sich nicht dazu verstehen, sie wieder nach Rom zu schicken, sondern er sagte mir, sobald er einige freie Tage bekäme, woll= te er noch einmal nach Berlin gehen um zu sehen ob noch etwas zu erzielen sei. Das alles kann ich natürlich der Tante nicht schreiben u. ich ersuchte deßhalb den Vater sich an Lorenzen zu wenden u. ihn zu bitten uns die Manuskripte von Gerhardt zu verschaffen, die Antwort, die wir dann von ihm erhalten, muß ich der Tante mittheilen. Ich fürchte selbst, daß ihr der sehnliche Wunsch noch etwas von u. über Emil ge= druckt zu sehen, nicht in Erfüllung gehen wird. Es erfüllt mich mit den [sic] tiefsten Jammer, daß ein solcher Geist, wie er ihn besaß, so untergehen musste. - Am ersten Ostertag erhielt ich von Wilhelm noch einen Brief von der Afrikani= schen Küste am Rothen Meere, [roman:] Suakin [/roman], der mich auch sehr niederdrückte, da er seine Rückkehr, die ich schon seit einer Woche erwartet hatte, wieder sehr in die Fer= ne schob. Der Brief war am 16ten März geschrieben, enthielt nur Glückwünsche für mich u. die Nachricht, daß, nachdem sie 4 große Fehler im Kabel ausgebessert, sie das Ende desselben nicht finden konnten u. nach 10 tägigen [sic] Suchen auf offnen [sic] Meere das Suchen aufgegeben u. nach [roman:] Suakin [/roman] gefahren wären, um es von der andern Seite her zu verbinden. In 14 Tagen hoffte er, würde die Arbeit beendigt sein, doch ließe sich keine Zeit bestimmen. Er musste wieder nach Aden u. wollte von dort seine Rückreise antreten. Eines der Kabelschiffe ging, gegen die frühere Bestimmung, nach Suez um Truppen, die nach China bestimmt, aufzunehmen u. durch diese Gelegenheit wurde es ihm möglich uns eine Nachricht zukommen zu lassen. Er klagte sehr über Hitze Staub, Mangel an Vege= tation an der Küste u. nur wildaussehende schwarze u. Schwarzbraune Menschen bekam er zu sehen. Der Brief war sehr kurz u. ich irre gewiß nicht, wenn ich daraus schließe, daß er in einer ziemlich gedrückten Stimmung war, er hatte nicht einmal an seine arme Braut, die ihn ebenso bestimmt erwartete, wie ich einige Worte beigelegt, sondern bat mich ihr Nachricht von ihm zu geben. Sie hat ihn nun, seit fast einem Jahr, nur wenige Tage im Herbst gesehen, da sie den Sommer in Ungarn zum Besuch bei einer Schwester war. August schrieb mir vor einigen Tagen daß Siemens ihm gesagt habe, Wilhelm würde vor dem 15ten April nicht kommen, da früher kein Schiff ging, ich weiß nun nicht ob das Schiff den 15ten von Alexandrien abgehen oder in Triest ankommen soll u. ob Siemens eine spä= tere Nachricht erhalten hat. Es that mir sehr leid, daß August die Ostertage nicht bei uns sein konnte u. er selbst scheint auch sich nach Hause gesehnt zu haben, aber die Reise ist doch zu theuer um sie nur für einige Tage zu machen u. län= ger durfte er jetzt doch nicht wieder abbrechen. Zu Pfingsten, hoffe ich, wird er kommen. Paul Eberhard geht übermorgen auch nach Berlin u. kommt zu [Mearz?] in die Lehre, so kommen denn diese beiden Schul= u. Spielkameraden wieder auf einige Zeit zu= sammeln. Von Emma habe ich gute Nachricht, sie sieht der frohen Hoffnung entgegen, daß ihr der Verlust, den sie im vorigen Jahre erlitten hat, wieder ersetzt werden wird, worüber sie sehr glücklich ist u. auch mich sehr freue, es wird dieß der be= ste Trost für ihren Schmerz sein. Ihre Briefe sind jetzt immer sehr lamentabel über die ihr fast ganz genommene Aussicht auf unsern Besuch u. wie sehr mir das zu Herzen geht, brauche ich Dir wohl nicht zu sagen. Mir selbst liegt die Entbehrung des Wiedersehens schwer auf der Seele, seit fast 2 Jahren war der Gedanke an dassel= be ein Lichtpunkt an den [sic] ich mich aufzuheitern suchte, jetzt, wo ich ziemlich sicher weiß, daß mir diese Freude versagt ist, liegt die nächste Zukunft recht hoffnungslos vor mir. Ich sinne darauf Ida mit einer Gelegenheit reisen zu lassen u. wenn

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